Compose 1.12 ist im Release Candidate – und genau jetzt lohnt sich das Testen
Seit gestern gibt es androidx.compose.ui 1.12.0-rc01. Die Release Notes zum RC selbst listen nichts Neues – und das ist die eigentliche Nachricht. Warum ich Apps ausgerechnet in dieser Phase gegen die neue Version baue.
Gestern, am 29. Juli 2026, hat Google androidx.compose.ui in Version 1.12.0-rc01 veröffentlicht. Wer die Release Notes aufmacht, findet dort erst mal – nichts. Keine neuen Funktionen, keine Umbauten, nur der Hinweis, welche Commits drinstecken.
Das klingt nach einer Nicht-Nachricht. Ist es aber nicht. Es ist genau der Punkt.
Was ein Release Candidate eigentlich sagt
Ein Release Candidate ist die Ansage: Wir halten diese Version für fertig. Die Schnittstellen sind eingefroren, es kommt nichts Neues mehr dazu, und geändert wird nur noch, wenn jemand einen echten Blocker findet. Alles, was du in einem RC siehst, wirst du mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch in der fertigen 1.12.0 sehen.
Deshalb ist der RC für mich die interessanteste Phase im ganzen Zyklus. In einer Alpha teste ich gegen bewegliche Ziele – was heute funktioniert, kann in drei Wochen anders heißen. In der fertigen Version zu testen ist zu spät: Dann ist sie schon draußen, und wenn etwas in meinem Projekt bricht, sitze ich unter Zeitdruck.
Im RC habe ich beides: eine stabile Schnittstelle und noch Luft. Wenn ich jetzt eine Kunden-App gegen 1.12.0-rc01 baue und etwas klemmt, kann ich es melden, solange es noch jemanden interessiert.
Was in der 1.12er-Reihe tatsächlich steckt
Weil die RC-Notiz selbst leer ist, lohnt der Blick auf die Alphas und Betas davor. Die 1.12er-Reihe lief seit dem 22. April 2026 (alpha01) über beta01 am 17. Juni und beta02 am 1. Juli bis zum RC. Vier Dinge daraus finde ich für die Praxis relevant:
Mesh-Verläufe. Mit MeshGradientPainter lassen sich Farbverläufe zeichnen, die nicht nur linear oder radial verlaufen, sondern über ein Gitter aus Stützpunkten. Bisher hieß so etwas: Bild vom Designer holen, als PNG einbetten, in drei Auflösungen pflegen. Jetzt ist es gerechnet – scharf auf jedem Display und ohne Datei im APK.
Credential Manager direkt am Textfeld. Über die Semantik-Eigenschaft credentialRequest kann ein Eingabefeld sagen, dass es einen Anmeldedatensatz erwartet. Der Passwort-Manager des Systems versteht das dann von selbst. Das ist die Art Detail, die man nie bemerkt, wenn sie da ist – und die sofort auffällt, wenn sie fehlt, weil das Ausfüllen dann eben nicht klappt.
Interaktionsgeräusche. SoundEffectOnInteraction bringt die Systemklänge dorthin, wo sie hingehören. Klingt nach Spielerei, ist aber ein Barrierefreiheits-Thema: Für manche Menschen ist die akustische Rückmeldung der einzige verlässliche Hinweis, dass ein Tippen angekommen ist.
Stabile Schrift-APIs. Die Font-Factory-Funktionen und ResourceFont sind aus dem experimentellen Status heraus. Für mich heißt das: keine Opt-in-Annotationen mehr im halben Projekt, nur um eine Schriftart zu laden.
Wie ich damit in einem Kundenprojekt umgehe
Ehrlich gesagt: Ich aktualisiere in laufenden Projekten nicht sofort auf einen RC. Was ich stattdessen mache, kostet eine halbe Stunde und hat mir schon mehrfach böse Überraschungen erspart:
Ich lege einen Zweig an, hebe dort nur die Compose-Version an, lasse die Tests laufen und klicke die drei, vier Bildschirme durch, in denen die App am meisten Eigenbau enthält. Läuft es, weiß ich: Die fertige 1.12.0 wird kein Thema. Läuft es nicht, habe ich Wochen Vorlauf statt eines Freitagnachmittags.
Der Zweig fliegt danach weg. Es geht nicht darum, jetzt schon zu aktualisieren – es geht darum, zu wissen, was auf einen zukommt.
Und falls du gerade an deiner Seite statt an einer App sitzt: Dieselbe Logik gilt für alles, was du einbindest. Ich habe mir für den Kleinkram ein paar Werkzeuge auf tools.bymw.de gelegt, damit ich für Farbwerte, Base64 oder ein schnelles App-Icon nicht jedes Mal eine fremde Seite aufmachen muss.
Was ich dir mitgeben würde
Wenn du eine Android-App hast, die dir Geld verdient, dann ist ein Release Candidate deiner wichtigsten UI-Bibliothek ein Termin, kein Newsletter. Eine halbe Stunde Test jetzt ist billiger als ein Notfall später.
Und wenn du gar nicht weißt, gegen welche Versionen deine App gerade gebaut wird: Genau das schaue ich mir mit Leuten regelmäßig an, bevor irgendetwas brennt. Schreib mir über bymw.de, dann sehen wir uns das gemeinsam an – unverbindlich und ohne dass du vorher irgendetwas umbauen musst.
Quellen
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Ich entwickle Android-Apps und moderne Websites für Selbstständige und kleine Unternehmen — von der ersten Idee bis zum Release.
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