Thunderbird fürs Handy: die kostenlose Mail-App, die deine Geschäftspost nicht Google überlässt
Thunderbird gibt es längst auch für Android – frei, quelloffen und ohne Zwang zum Google-Konto. Diese Woche kam Version 21.1, und für iOS baut das Team gerade eine ganz neue App. Ich zeige dir, warum das gerade für Selbstständige mit eigener Domain-Mailadresse interessant ist – und wo die ehrliche Grenze liegt.
Wenn ich für einen Kunden eine Website baue, richte ich fast immer auch eine E-Mail-Adresse auf der eigenen Domain ein – name@deinefirma.de statt irgendeiner Gmail-Adresse. Das wirkt professioneller und die Post gehört dir, nicht einem Werbekonzern. Nur kommt danach jedes Mal dieselbe Frage: „Und wie lese ich das jetzt auf dem Handy?"
Die bequemste Antwort wäre, alles zu Gmail weiterzuleiten und dort mitzulesen. Genau das will ich meinen Kundinnen und Kunden aber nicht empfehlen – dann liegt die Geschäftskorrespondenz doch wieder bei Google. Seit einer Weile gibt es eine bessere: Thunderbird läuft nicht mehr nur auf dem Rechner, sondern auch auf dem Handy. Und diese Woche ist eine frische Version erschienen.
Was diese Woche passiert ist
Am 3. August 2026 hat das Thunderbird-Team Version 21.1 für Android veröffentlicht. Das ist ein kleines Wartungsupdate – behoben wurde unter anderem ein Fehler, bei dem sich der Papierkorb nicht leeren ließ. Kein Grund für Schlagzeilen, aber ein gutes Zeichen: Die App wird regelmäßig gepflegt, nicht liegen gelassen.
Spannender finde ich, was daneben läuft. Im Fortschrittsbericht vom 30. Juli hat das Team geschrieben, dass es für iOS gerade eine komplett neue App von Grund auf baut – bisher gibt es Thunderbird auf dem iPhone nämlich noch nicht offiziell. Wer also ein iPhone hat, muss sich noch etwas gedulden; für Android ist die App längst da und stabil.
Woher die App kommt
Thunderbird fürs Handy ist kein hastiger Neubau. Sie ist aus K-9 Mail hervorgegangen – einer bei Android-Nutzern seit Jahren beliebten Mail-App. Das Thunderbird-Projekt hat K-9 übernommen und Schritt für Schritt zur mobilen Thunderbird-App weiterentwickelt; die erste stabile Fassung erschien Ende 2024. Dahinter steht dieselbe gemeinnützige Struktur wie hinter dem Firefox-Umfeld, finanziert vor allem aus Spenden.
Zwei Dinge sind mir daran wichtig:
- Sie ist kostenlos und quelloffen. Kein Abo, kein „Pro"-Schloss vor den nützlichen Funktionen. Der Quellcode liegt offen – man kann prinzipiell nachsehen, was die App tut.
- Sie zwingt dich in kein Konto. Du gibst deine E-Mail-Adresse und dein Passwort ein, fertig. Es gibt kein „Melde dich erst bei uns an, um deine eigene Mailadresse zu benutzen".
Warum das gerade für Selbstständige passt
Der eigentliche Punkt ist die Domain-Mailadresse. Fast jedes Webhosting-Paket bringt Postfächer mit – die laufen über ein offenes Protokoll namens IMAP, und genau damit kommt Thunderbird zurecht. Bei den großen Anbietern reicht meist die Automatik, ein eigenes Postfach trägt man mit Servername, Nutzer und Passwort von Hand ein (die Daten stehen in deinem Hosting-Konto).
Das Ergebnis: Deine @deinefirma.de-Post liegt auf dem Server deines Hosters und auf deinem Gerät – nicht in einem Gmail-Postfach. Auf dem Rechner nutzt du Thunderbird sowieso schon, auf dem Handy dieselbe App, beide zeigen denselben Stand. Ich habe genau diesen Aufbau selbst im Einsatz, und für die meisten Ein-Personen-Betriebe ist das völlig ausreichend.
Ein weiterer Vorteil gegenüber vielen kostenlosen Handy-Mail-Apps: Die Datensammlung ist bei Thunderbird abschaltbar. Du kannst der anonymen Nutzungsstatistik widersprechen, statt sie stillschweigend hinzunehmen. Das ist genau die Haltung, wegen der ich Kundinnen und Kunden ungern zu Gmail schicke.
Die ehrliche Grenze
Damit du nicht mit falschen Erwartungen startest, drei Dinge, die ich dazusage:
- Verschlüsselung ist keine Zauberei. Thunderbird kann Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, aber nur, wenn dein Gegenüber sie auch nutzt. Für normale Geschäftsmails schützt in erster Linie die transportverschlüsselte Verbindung zum Server – die ist Standard, aber sie macht deine Mails nicht anonym.
- Kalender und Kontakte sind auf dem Handy nicht so nahtlos wie bei den großen Suiten. Für reine E-Mail ist die App top; wer eng verzahnte Termine und Adressen erwartet, sollte das vorher testen.
- Das iPhone wartet noch. Wie oben geschrieben: Für iOS ist die App gerade erst im Bau. Wer heute umsteigen will, braucht Android.
Mein Fazit
Wenn du eine Domain-Mailadresse hast – oder eine haben solltest – ist Thunderbird fürs Handy die naheliegende, kostenlose Art, sie unterwegs zu lesen, ohne sie an Google zu übergeben. Lade sie dir aus deinem App-Store oder direkt von der Thunderbird-Mobilseite und trag dein Postfach ein.
Und falls du noch gar keine eigene Domain-Mailadresse hast, sondern geschäftlich über eine Gmail- oder GMX-Adresse schreibst: Genau das richte ich beim Bau einer Website mit ein – Postfach, Weiterleitungen, eine Signatur, die zur Seite passt. Melde dich einfach über bymw.de, dann schauen wir uns das gemeinsam an. Ich verspreche dir keine Wunder, aber ein sauberes, professionelles Setup, das dir gehört.
Quellen
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