Jetpack Compose 1.12 steht vor der Tür: die Performance-Neuerungen, die Apps flüssiger machen
Seit dem 29. Juli 2026 gibt es den ersten Release Candidate von Jetpack Compose 1.12. Spannend sind diesmal nicht neue Buttons, sondern wie Compose Arbeit über mehrere Frames verteilt – genau das, was ruckelnde Listen glättet. Was das für deine App bedeutet.
Ich habe diese Woche selbst wieder gemerkt, wie sehr flüssiges Scrollen über den Eindruck einer App entscheidet. Ein Bild pro Sekunde zu spät, und alles fühlt sich billig an – egal, wie schön die Oberfläche ist. Deshalb hat mich eine Zeile in den Release Notes hellhörig gemacht: Am 29. Juli 2026 ist der erste Release Candidate von Jetpack Compose 1.12 erschienen (androidx.compose.foundation, -material und -ui, jeweils 1.12.0-rc01). Ein RC heißt: Die Version ist fertig genug, dass Google sie für stabil hält – die finale Freigabe steht also kurz bevor. Aktuell stabil ist noch 1.11.4.
Das Interessante an dieser Runde: Es geht kaum um neue Bausteine. Es geht darum, wann Compose seine Arbeit macht.
Warum Apps ruckeln – und was das mit „Frames" zu tun hat
Kurz zum Hintergrund, ohne Fachchinesisch: Ein Handy zeichnet sein Bild 60-, 90- oder 120-mal pro Sekunde neu. Bei 60 Bildern hat die App also rund 16 Millisekunden pro Bild Zeit, alles zu berechnen und zu zeichnen. Reißt sie dieses Budget, fällt genau dieses Bild aus – und das sieht man als Ruckler.
Der Klassiker: Du scrollst durch eine lange Liste, und kurz bevor ein neuer Eintrag ins Bild kommt, baut Compose ihn vor („Prefetch"). Bisher passierte das gern in einem Bild auf einmal. Ist der Eintrag aufwendig, sprengt genau dieses eine Bild das Budget – und der Scroll stockt für einen Moment.
Compose 1.12 verteilt die Arbeit – statt sie zu stapeln
Genau hier setzt die Neuerung an, die mir am meisten bringt. In 1.12 gibt es eine pausierbare Vorab-Komposition beim Prefetch (im Code der Schalter ComposeFoundationFlags.isPausableCompositionInPrefetchEnabled). Im Klartext: Compose kann das Vorbereiten eines kommenden Listeneintrags über mehrere Bilder verteilen, statt alles in eines zu quetschen. Ein bisschen hier, ein bisschen im nächsten Bild – bis der Eintrag fertig ist, wenn er gebraucht wird.
Das ist dieselbe Idee, die ich in meinen eigenen Projekten dauernd anwende: Wenn eine Aufgabe zu groß für ein Bild ist, teile sie auf, statt das Bild zu überziehen. Dass Compose das jetzt für den Listen-Prefetch selbst übernimmt, spart genau die Ruckler, die man sonst mühsam von Hand wegoptimiert.
Dazu kommen zwei weitere leise Verbesserungen, die in die gleiche Richtung zielen:
combinedClickablewurde neu geschrieben und kommt jetzt ohne den schwergewichtigen „suspend"-Weg für Berührungen aus. Klingt technisch, heißt praktisch: Antippen und Lange-Drücken reagieren mit weniger Overhead.- Für Textfelder gibt es eine Optimierung, wie ihre Höhe bei einer festgelegten Zeilenzahl berechnet wird – ein Detail, das sich in Formularen mit vielen Feldern summiert.
Mein ehrlicher Rat: nicht sofort umstellen, aber vormerken
Ein Release Candidate gehört noch nicht in eine App, die morgen im Play Store landet – dafür gibt es die stabile 1.11.4. Aber es lohnt sich, das jetzt auf dem Zettel zu haben: Wer eine neue App plant, sollte die Architektur so bauen, dass der Umstieg auf 1.12 später ein Handgriff ist. Und wer heute schon mit ruckelnden Listen kämpft, findet in den 1.12-Release-Notes eine Liste von Flags, die man gezielt ausprobieren kann.
Für mich ist das Muster hinter dieser Version die eigentliche Botschaft: Gute Performance entsteht nicht durch weniger Inhalt, sondern durch klug verteilte Arbeit. Genau daran messe ich eine solide App – nicht an der Feature-Liste, sondern daran, ob sie sich in der Hand leicht anfühlt.
Wenn du eine Android-App in Kotlin und Jetpack Compose planst oder eine bestehende endlich flüssig haben willst, schau dich auf bymw.de um oder schreib mir kurz. Ich baue genau solche Apps – und achte dabei zuerst auf die 16 Millisekunden, die niemand sieht, aber jeder spürt.
Quellen
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