Google Fit wird Ende 2026 abgeschaltet – was das für deine Fitness-App bedeutet
Die Google-Fit-APIs werden nur noch bis Ende 2026 unterstützt. Wer eine Android-App mit Schritten, Puls oder Schlaf baut, muss auf Health Connect umziehen – und seit dem Juni-Update stolpern viele über eine stille Änderung bei den Schrittdaten. Was jetzt zu tun ist.
Es gibt Fristen, die knallen laut, und es gibt Fristen, die einfach still verstreichen und dir danach die App zerlegen. Die hier gehört zur zweiten Sorte: Die Google-Fit-APIs werden nur noch bis Ende 2026 unterstützt. Steht so in Googles eigener Doku, nüchtern in einem Nebensatz. Fünf Monate.
Ich schreibe darüber, weil mich das Thema doppelt betrifft. Ich baue Android-Apps, und ich bin selbst jemand, der seine Schritte tracken lässt. Wenn eine App im Januar plötzlich keine Daten mehr liefert, merkt man das als Nutzer sofort – und ärgert sich zu Recht.
Worum es konkret geht
Wer auf Android an Gesundheits- und Fitnessdaten wollte, hatte jahrelang zwei Wege: die alten Google-Fit-APIs oder das neuere Health Connect. Fit war der Klassiker, Health Connect der Nachfolger. Google hat den Übergang lange begleitet, und jetzt ist das Ende terminiert.
Praktisch heißt das: Wenn deine App Schritte liest, Trainings schreibt, Puls oder Schlaf auswertet und dabei noch auf com.google.android.gms.fitness sitzt, hört das Ende dieses Jahres auf zu funktionieren. Nicht „wird langsamer", nicht „bekommt eine Warnung" – hört auf.
Der Umstieg ist kein Zwei-Zeilen-Ding, aber auch kein Neubau. Health Connect ist konzeptionell ähnlich: Du fragst Berechtigungen ab, du liest und schreibst Datensätze, du bekommst Zeitreihen. Was sich ändert, sind die Klassen, die Berechtigungsnamen und ein paar Annahmen darüber, wo Daten eigentlich herkommen.
Die Änderung, die im Juni still passiert ist
Und da ist noch eine zweite Sache, die deutlich weniger Aufmerksamkeit bekommen hat, aber Apps sehr konkret trifft.
Seit dem Health-Connect-Update im Juni 2026 werden Schritte, die das Gerät selbst zählt, nicht mehr dem Paketnamen android zugeordnet, sondern einem gerätespezifischen Synthetic Package Name – so etwas wie com.android.healthconnect.phone.jd5bdd37e1a8d3667a05d0abebfc4a89e.
Das klingt nach einer Fußnote, ist aber genau die Art von Detail, an der Apps kaputtgehen. Denn viele Apps filtern Schrittdaten nach Herkunft: „Zeig mir nur die Schritte vom Telefon, nicht die aus der anderen Fitness-App, sonst zähle ich doppelt." Wer dafür fest auf "android" geprüft hat, bekommt jetzt null Schritte – oder zählt plötzlich alles doppelt, je nachdem, wie der Filter herum gebaut war.
Zwei Punkte sind dabei wichtig:
- Alte Daten behalten ihren alten Namen. Schritte, die vor Juni 2026 aufgezeichnet wurden, tragen weiterhin
android. Deine Auswertung muss also beides können, nicht das eine gegen das andere tauschen. - Der neue Name darf nicht fest im Code stehen. Er ist pro Gerät verschieden, und zwei Apps auf demselben Gerät sehen sogar unterschiedliche Namen – das ist Absicht und dient dem Datenschutz. Google sagt ausdrücklich: nicht hartkodieren, sondern über
getCurrentDeviceDataSource()abfragen.
Genau solche Änderungen sind der Grund, warum ich bei Apps mit Gesundheitsdaten ungern „läuft doch" gelten lasse. Es läuft, bis ein Systemupdate eine Annahme kassiert, die nie irgendwo aufgeschrieben war.
Was ich dir raten würde
Wenn du eine App hast, die Fitness- oder Gesundheitsdaten nutzt: Lass jemanden nachsehen, worauf sie technisch aufsetzt. Das ist eine Frage von Minuten, nicht von Tagen. Steht da noch Google Fit, hast du bis Jahresende Zeit – und Jahresende ist bei Weihnachten, Urlaub und Feiertagen kürzer, als es aussieht.
Wenn du gerade eine planst: Health Connect ist gesetzt, es gibt keine Alternative mehr, über die man ernsthaft nachdenken müsste. Plane von Anfang an ein, dass Berechtigungen für Gesundheitsdaten im Play Store gesondert begründet werden müssen. Das ist kein Formalismus, den man am Ende noch schnell erledigt.
Und wenn du nur Nutzer bist: Du musst nichts tun. Aber wenn deine Lieblings-App im Januar keine Schritte mehr anzeigt, weißt du jetzt, woran es liegt – und dass es ein Problem des Anbieters ist, nicht deins.
Ein Hinweis noch, weil es um Gesundheitsdaten geht: Das hier ist eine technische Einordnung, keine medizinische oder rechtliche Beratung. Wenn es um die konkrete Verarbeitung von Gesundheitsdaten in deinem Unternehmen geht, gehört das mit jemandem besprochen, der das rechtlich sauber bewerten kann.
Wie ich damit umgehe
Bei meinen eigenen Projekten gilt eine simple Regel: Wo Daten herkommen, wird nie fest verdrahtet, sondern immer erfragt. Kostet beim Bauen zehn Minuten mehr und erspart einem genau diese Sorte Überraschung. Dasselbe Prinzip nutze ich übrigens auch abseits von Apps – bei den kleinen Rechnern auf tools.bymw.de rechnet alles direkt im Browser, ohne dass irgendein Wert das Gerät verlässt. Was nicht wegfliegt, kann auch nicht kaputtgehen, wenn sich draußen eine Schnittstelle ändert.
Du hast eine App, bei der du nicht sicher bist, ob sie diese Frist übersteht? Schreib mir kurz – ich schaue mir an, worauf sie aufsetzt, und sage dir ehrlich, ob das ein Nachmittag ist oder ein Projekt. Beides ist eine brauchbare Antwort, „wird schon" nicht.
Quellen
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